Vom 07. März bis 11. April 2010 fanden im Odysseum in Köln die CLEVER essen – Ernährungswochen
statt. Wir waren mit Kind und Kegel dort. Fazit: Es war eine Farce, die in aller Ironie aufzeigt, was schief läuft bei all den gut gemeinten Aktionen, die Kindern gesundes Essen beibringen sollen.
In einem Eckchen in der Eingangshalle können Kinder Aufgaben zum Thema gesunde Ernährung lösen. Zum Beispiel an einer Magnetwand eine Ernährungspyramide zusammenbasteln. Schön das böse Fett ganz nach oben und unten schön viel frisches Gemüse und Obst.
Eine niedliche Kuhattrappe kann gemolken werden – ach ja, die gute Milch! Nachdenklich laufe ich an den aufgetürmten Tetrapacks vorbei, die nachher an die lieben Kleinen verteilt werden sollen. Milch? Fehlanzeige! Milchmischgetränke mit Schoko-, Erdbeer- und Vanillearoma stehen da. Kindern Milch anzubieten, die nur nach Milch schmeckt, ist ja auch ein verwegener Gedanke. Oder?
Nachdem die Kinder brav ihre Ernährungspyramide gebastelt haben, bekommen sie Hunger. Das Museumsrestaurant ist ja gleich nebenan.
Und jetzt möchte ich mal einen Menschen sehen, der auch nur mit halbem Ohr mal etwas über gesunde Ernährung gehört hat und dem es bei diesem Angebot nicht die Schuhe auszieht: Sie können wählen: Pommes, frittierte (!) Wurst, aus Pulver angerührte, dicke Soßen, auf denen sich während ihrer Zeit in der Wärmetheke eine dunkle Haut gebildet hat, paniertes und frittiertes Geflügelfleisch, panierte und frittierte Schnitzel, ein mit einer daumendicken Schicht Käse überbackenes, auflaufartiges Ding. Ein Teller mit welkem Salat steht stolz in einer beleuchteten Vitrine, als wisse er von seiner wichtigen Funktion als einziges pflanzliches und nicht frittiertes Lebensmittel. Selbstverständlich ist er mit Hähnchenstreifen verziert.
Weil das alles nicht so lecker und gesund klingt, hat sich die Marketingabteilung pfiffige Namen für das ganze Elend ausgedacht. Ich hab’s schon wieder vergessen, irgendwas mit Seeräuberteller und Forschermenü...uah.
So augenfällig absurd wie hier treffen die beiden Botschaften, die Kindern in puncto Ernährung vermittelt werden, selten aufeinander: Erst lernen wir, was gesunde Ernährung ist und dann fressen wir alles, was nicht dazu gehört. Das müssen die Kinder doch kapieren, oder?
All diese tollen Programme, in denen vor staunenden Kinderaugen ein echter Apfel zerteilt und zum probieren herumgereicht wird, wo kindgerecht Vollkorn- und Milchgenuss propagiert wird, bräuchten wir nicht, wenn sich die Erwachsenen gut ernähren würden. Und wenn die Kinder im Alltag ganz selbstverständlich gut ernährt werden würden. Wenn für Schulmittagessen und die Verpflegung in Kindergärten Küchenkräfte angestellt würden, die frische, abwechslungsreiche Speisen zubereiten. Wenn es in jeder Klasse und in jeder KiTa-Gruppe jeden Tag einen Obstteller zum Zugreifen gäbe.
Und wenn klar wäre, dass man in einem Museum mit der Zielgruppe Kinder eben keinen frittierten Müll im Restaurant anbietet. Ja, dazu braucht es etwas mehr Mühe, bessere Zutaten und ein gutes Konzept. Es ist aber machbar. Ich habe es gesehen. Zum Beispiel im Geocenter Moens Klint, Dänemark: Bioessen + lecker + gut zubereitet. Oder auf der Museumsinsel Hombroich, Deutschland. Da gab es Pellkartoffeln, Kräuterquark, Salat, Tomaten, Eier, Brot und Obst – einfach so – als wäre es das normalste von der Welt.