Theorie und Praxis…Nichtraucherschutzgesetz
28. October 2009 von DorotheeUnter dem Titel: “Schwarze Schafe gibt es immer” gibt der Interview zum Nichtraucherschutzgesetz und – angenehm selbstkritisch – zum Problem der Inkonsequenz. Trotzdem möchte er das ganze nicht als Misserfolg werten. Er sagt:
blockquote”Bisher wurde fast überall geraucht, und der Nichtraucher musste darum bitten, doch “hier” oder “solange gegessen wird” oder solange “die Kinder noch hier spielen” nicht zu rauchen. Der “Nichtraucher” war der Störenfried, der den Normal(?)fall in Frage stellt, der die Normalität stört, der Ungemütliche, der Kleinliche, der Intolerante.
Dies hängt auch damit zusammen, dass der Raucher ja keinem etwas Böses will. Er will nur in Ruhe sein Nikotin inhalieren. Aber indem er raucht, kontaminiert er als Einzelner den gesamten Raum – alle anderen leiden unter dem erhöhten Krankheitsrisiko. Das ist für den Raucher unvermeidbar #8211; und nun gebeten zu werden, das “Unvermeidbare”, nicht b-segemeinte zu unterlassen, erschwert den freundlichen Dialog doch erheblich. Dieser Dialog muss nun nicht mehr geführt werden, weil im Regelfall nicht geraucht wird, der Raucher geht kurz vor die Tür und der Konflikt in den Innenräumen ist entschärft.”/blockquote
Tja…so weit die Theorie. Jetzt zu meiner praktischen Erfahrung (eventuell NRW-spezifisch):
1. Neulich habe ich mich mit einer Freundin abends verabredet. Sie raucht (aber nur noch bis Silvester, stimmt’s, Tina? :-)) – ich nicht. Wir waren beide schon längere Zeit nicht mehr in dem Lokal gewesen. Vorher sagte sie noch: “Au weia, da ist jetzt bestimmt Rauchverbot!” Aber nein, keine Sorge…als wir dort ankamen, prangte am Eingang ein Schild: “Ab 17.00 Uhr Raucherclub”.
2. Besuch im asiatischen Selbstbedienungsrestaurant. Bisher handelte es sich um ein Nichtraucherrestaurant – einfach so. Jahrzehntelang. Als wir neulich wieder einmal dorthin kamen (Meine Kinder liiiieben dieses Restaurant), lag unser Lieblingsplatz am Fenster plötzlich im “Raucherbereich”: Hä? Auf meine erstaunte Nachfrage erklärte mir die freundliche Servicekraft: “Ja, das ist wegen des Rauchverbots. Die Leute fragen uns jetzt immer, wo denn der Raucherbereich ist:” Der Raucherbereich ist vom Nichtraucherbereich durch eine Treppe getrennt…ja, richtig gelesen. Eine Treppe. Nichtraucher sitzen unten und atmen exakt die gleiche Luft wie die oben am Fenster sitzenden Raucher. Toll. Danke, Nichtraucherschutzgesetz!
3. Es gibt hier um die Ecke ein sehr schönes Nichtraucher-Café, schon lange vor dem offiziellen Verbot hatten sie erst einen rauchfreien Tag pro Woche zum Testen. Als sie an diesem Tag deutlich mehr Essen verkauften als an allen übrigen, haben sie komplett auf rauchfrei umgestellt. Sehr angenehm. Nach einem langen, lustigen Kneipenabend kommt man heim und duftet nach – NICHTS! Sensationell. Im Sommer konnte ich mich dort mit rauchenden und nichtrauchenden Freunden treffen. Jetzt, im Winter, schauen einen die Raucher mit einem mitleiderregenden Dackelblick an und seufzen: Können wir nicht lieber woanders hin? Es ist sooo kalt! Naja, und man will ja auch kein Unmensch sein…Raucher haben ja eh so anfällige Bronchien, wer möchte sie da noch der Kälte aussetzten? Also, ab in den nächsten Raucherclub – so eine Nichtraucherlunge hält das schon mal aus.









