Schmutzige Mäuschen

Sicher denken die meisten Menschen als erstes an öffentliche Toiletten, wenn man sie fragt, wo im Alltag die höchste Keimbelastung zu finden ist. Verbraucherschützer in Korea wollten es genau wissen und siehe da: öffentliche Bedürfnisanstalten landen ziemlich abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze. Die wahren Keimschleudern finden sich woanders:

Wie die “Korea Times” berichtet, suchten die Verbraucherschützer gezielt nach Bakterien und Viren, indem sie rund 120 im Alltag häufig berührte Gegenstände an öffentlichen Orten analysierten.

Proben von diesen Gegenständen nutzten sie, um in einer Nährlösung Bakterien- und Pilzkolonien heranzuziehen – ein Verfahren, mit dem sich sowohl der Artenreichtum der Mikroorganismen in einer bestimmten Probe erfassen als auch eine Messgröße für die Keimbesiedlung der Probe deduzieren lässt. Gemessen wird so etwas in KBE/mg, was “keimbildende Einheiten pro Milligramm” bedeutet. Der deutsche Otto Normalhygieniker will gar nicht weiter darüber nachdenken, was das nun wieder heißt.

Denn die kleinen Wesen lauern gerade da, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Hier die Ergebnisse der koreanischen Verbraucherschützer – eine Hitparade der Bakterien- und Pilzbelastung oft berührter Gegenstände im öffentlichen Raum:

Platz 1: Der Einkaufswagen im Supermarkt. Bringt es auf durchschnittlich 1100 KBE/mg. Eine leckere Vorstellung

Platz 2: Die Computermaus im Cybercafe. Gemessen mit durchschnittlich 690 KBE/mg. Da man getrost davon ausgehen kann, dass die auch im Büro und Zuhause nie gewaschen wird, wird es da nicht viel anders aussehen. PC-Freaks überrascht das nicht: Auch von Keyboards ist bekannt, dass sie gemeinhin mehr Bakterien beherbergen als eine durchschnittliche Klobrille

Platz 3: Haltegriffe in Bussen. Klar: halten, husten, halten, heißt hier der Alltag. Tagein, tagaus. Handschweiß, Nieser, Hände, die nach dem Mausklicken nicht gewaschen wurden. Die 380 KBE/mg können nicht wirklich überraschen.

Es folgen dann Toiletten-Türgriffe (340 KBE/mg), Aufzug-Knöpfe (130 KBE/mg) und Haltegriffe in U-Bahnen (86 KBE/mg).

Nur Großstädter wissen die Antwort darauf, warum Busse hier so viel schlechter abschneiden als U-Bahnen: Im stets frenetisch wackelnden und schwankenden Bus sucht man nach Halt. In der U-Bahn braucht man das nicht. Entweder man sitzt, weil sie leer ist – oder man wird von den Mitmenschen, denen man nirgends näher kommt, gehalten. Auf wie viele KBE/mg es Mitmenschen in der U-Bahn bringen, haben die Verbraucherschützer übrigens nicht gemessen.

(Quelle: spiegel online)

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