Dickes Geschäft: Disease Mongering

Am Mittwochabend jemand beim Pokalhalbfinale FC St. Pauli gegen FC Bayern Neosino München mal einen genaueren Blick auf die Bandenwerbung geworfen?

www.mann-info.de auf Viagra-blauem Hintergrund gesehen? Die URL später in die Adresszeile des Browser eingegeben und die Seite gefunden, um den Satz zu lesen: “Guter Sex tut gut – in jeder Beziehung.”? Und sich dann die Seiten durchgelesen, und vielleicht Zweifel bekommen, ob man nicht vielleicht unter einer Erektilen Dysfunktion leidet (Also, wenn Mann mal nicht kann)? Darüber nachgedacht, unbedingt zum Arzt zu gehen und ihm klar zu machen, dass man Viagra braucht? All das gestern abend passiert?

Das ist genau das, was Pfizer damit bezwecken wollte. Den Eindruck erwecken - nur weil es zuletzt mal nicht geklappt hat oder auch mal öfter nicht gepklappt hat - dass man eigentlich eine Krankheit hat (obwohl vielleicht einfach nur Stress die Ursache war).

Dieses Jemanden-vom-Fernseher-durch-Bandenwerbung-zum-Arzt-bringen-und-unser-Produkt-fordern ist Teil einer Marketingstrategie von Pharmafirmen, die Fachleute als Disease mongering bezeichenen.

Plazeboalarm hat wieder ein wichtiges Thema aufgegriffen: Disease Mongering bezeichnet das Umdeuten normaler Lebensabläufe oder individueller Mängel wie etwa eine Glatzenbildung bei Männern oder Cellulite bei Frauen als therapiebedürftige Krankheiten. Darüber gab es vor einiger Zeit schon mal ein Buch von Jörg Blech: Die Krankheitserfinder. Wie wir zu Patienten gemacht werden. Kann nicht schaden, sich darüber mal ein bisschen genauer zu informieren. Vor allem bei “Modekrankheiten”, die plötzlich wie von Zauberhand in allen möglichen Zeitschriften und Sendungen auftauchen, ist ein gesundes Misstrauen durchaus angebracht. Bei Plazeboalarm gibt’s noch mehr wissenswertes und Links zum Thema.

(Quelle: Plazeboalarm)

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