“Der Wunsch-Kaiserschnitt ist ein Medienphänomen”
Ich gebe gerne zu, dass ich vor der Geburt meines ersten Kindes die Vorstellung, das KInd einfach unter Narkose “herausoperiert” zu bekommen, durchaus verlockend fand, denn ich hatte eine Heidenangst vor den Schmerzen. Außerdem las man doch überall, dass in anderen Ländern und in Adels- und Promikreisen der geplante Kaiserschnitt zum Wunschtermin gang und gäbe sei. (Ein Phänomen, das die Briten übrigens mit dem hübschen Begriff “too posh to push” beschreiben, was sich auf deutsch ungefähr mit “zu vornehm zum pressen” übersetzen lässt.)
Meine Tochter wurde dann aber doch spontan geboren und ich möchte dieses Erlebnis auf keinen Fall missen. Ich bin ansonsten wirklich keine Heldin, habe Angst vor Spritzen, drücke mich vorm Zahnarzt und jammere bei Wehwehchen gerne mal rum. Aber ein Kind zu gebären ist eben nicht wie sich das Bein brechen, sondern etwas ganz besonderes, unvergleichliches.
Als ich zum zweiten mal schwanger war, saß mein Sohn ziemlich lange in Beckenendlage, das heißt, er drehte sich nicht mit dem Kopf in Richtung “Ausgang”, so dass es eine ganze Weile so aussah, als müsse er mit Kaiserschnitt geholt werden. Gerade weil ich schon eine spontane Geburt erlebt hatte, war ich von der Aussicht auf einen Kaiserschnitt überhaupt nicht begeistert. Zum Glück hatte auch KInd Nummer zwei in letzter MInute ein Einsehen und drehte sich richtig rum.
Warum ich das alles erzähle? - Ach ja: In einer Studie der Gmünder Ersatzkasse GEK, für die 1339 Versicherte befragt wurden, gaben nur 2,1 Prozent der Frauen an, ohne medizinischen Grund per Kaiserschnitt entbunden zu haben. Diese nannten die Angst vor dem Geburtsschmerz als wichtigen Grund für ihre Entscheidung. Außerdem wurden eine planbare Geburt und eine schnelle Geburt als wichtige Gründe angegeben.
“Der Wunsch-Kaiserschnitt ist eher ein Medienphänomen”, sagte Studienleiterin Professor Petra Kolip vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Uni Bremen bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin.
Den Anstieg der Sectio-Rate von 17 auf 27 Prozent von 1994 bis 2004 sieht sie darin begründet, daß Schwangere heute häufig älter seien und mehr Vorerkrankungen vorweisen würden als früher. Auch die Klinikorganisation spiele bei der Entscheidung eine Rolle.
Wichtiger Grund für einen Kaiserschnitt ist bei 60 Prozent der Befragten die Empfehlung durch den Arzt. “Das macht deutlich, welche wichtige Rolle den Ärzten als Berater zukommt”, so Kolip.
Jede Frau muss selbst entscheiden, wie sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. Es gibt viele gute (medizinische!) Gründe für einen Kaiserschnitt. Bitte behalten Sie aber im Hinterkopf, dass ein Kaiserschnitt eine große Bauchoperation ist, mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die dazu gehören. Und wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin trotz fehlender medizinischer Gründe einem geplanten Kaiserschnitt sehr offen gegenübersteht, dann bedenken Sie auch, dass so ein Eingriff für die Klinik nicht nur bequemer (weil planbar) sondern auch lukrativer ist. Und sprechen Sie unbedingt auch mit einer Hebamme. Den ganzen Artikel aus der Ärztezeitung gibt es hier
(Quelle: Ärztezeitung)
Informationen zum Thema Kaiserschnitt:
http://kaiserschnitt.siteboard.de/ (Offenes Forum zum Thema Kaiserschnitt, auch aus gesellschaftspolitischer Sicht)
http://www.der-kaiserschnitt.de/ (Informationen und Erfahrungsberichte)
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Gesundheit/s_619.htm (Ausführliche Informationen)
http://www.yyy.at/news/Kaiserschnitt.htm (WHO und Europaparlament warnen vor unnötigem Kaiserschnitt)


27. June 2006 um 16:31
Schöner Artikel! Die Erfahrung, spontan entbunden zu haben, gibt Selbstbewusstsein und Kraft. Eine Entbindung im Geburtshaus kann für viele die Chance auf eine selbstbestimmte Geburt erhöhen. Siehe dazu auch http://www.medizin-im-text.de/blog/?p=26. Viele Grüße von Dunja Voos.
29. January 2007 um 01:18
Wichtige Gründe bleiben unerwähnt, wurden mir jedoch von brasilianischen Ärzten, darunter dem “Vater der Schönheitschirurgie”, mitgeteilt: Man kann gleichzeitig eine Sterilisation (Unterbindung der Eileiter) durchführen z. B. nach mehrfacher Geburt. Bei Erstgebärenden bleibt der Beckenboden wie ursprünglich und die Vagina eng.
( Erhalt der sexuellen Attraktivität und Empfindsamkeit auch bei der Frau?)