Lassen sich Amok-Läufe verhindern?
Wissenschaftler der TU Darmstadt entwickeln derzeit eine Methode zur Früherkennung potentieller Amokläufer an Schulen. Der Projektleiter Dr. Jens Hoffmann: “Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass immer wieder identische Muster und entsprechende Frühwarnsignale bei potentiellen Amokläufern erkennbar sind”. Für ihn fügt sich auch der Fall des Amoklaufes an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten ins dieses Muster. Ein neues Anti-Amok Präventionsmodell der TU Darmstadt für Schulen erweist sich nach bisherigem Stand als sehr erfolgsversprechend.
Zielgerichtete Gewalttaten und Amok an Schulen lassen sich prinzipiell bereits im Vorfeld erkennen, ist sich der Darmstädter Psychologe Jens Hoffmann, sicher. Dies sind die sich verdichteten Erkenntnisse eines zurzeit laufenden Forschungsprojektes an der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der Technischen Universität Darmstadt. Angeregt von Forschungen und Risikomodellen aus den USA hat Projektleiter Dr. Jens Hoffmann einen Ansatz entwickelt, derartige Risikoentwicklungen in einem frühen Stadium zu erkennen und mit einer Krisenintervention deeskalierend tätig zu werden.
“Diese schrecklichen Taten junger Menschen stellen den Endpunkt eines Weges zur Gewalt dar, der immer von Warnsignalen begleitet ist und dessen einzelne Schritte in sich logisch sind.”, erläutert Jens Hoffmann. “Denn zielgerichtete Gewalttaten und Amokläufe sind aus Sicht des Täters ein letzter Ausweg aus einer Krise, für die er keine anderen Lösungsmöglichkeiten mehr hat.” In der Darmstädter Studie wird anhand der Auswertung von deutschen Fällen geprüft, inwiefern die Erkenntnisse aus Nordamerika tatsächlich auf hiesige Verhältnisse übertragbar sind. Die bisherige Zwischenbilanz: Bis auf kleine Unschärfen, etwa den Zugang zu Waffen, sind identische Muster erkennbar.
In dieses Muster fügt sich auch der Fall des Amoklaufes in Emsdetten. “Der Täter zeigte beispielsweise das Phänomen des “Leaking”, bei dem Informationen über eine innere Beschäftigung mit einer Gewalttat nach außen dringen. So äußerte er bereits 2004 in einem Internetforum, dass er einen Amoklauf als prinzipiellen Ausweg aus seiner schulischen Krise sieht. Er identifizierte sich auf seiner Homepage sichtbar mit anderen Gewalttätern, er äußerte Hass gegen Lehrer und Mitschüler. Und es gab mit dem bevorstehenden Prozess wegen unerlaubten Waffenbesitz einen letzten Triggerfaktor, um nur einige typische Risikomerkmale zu nennen.”, so Jens Hoffmann. Das von ihm eingesetzte Modell zur Risikoeinschätzung und zum Fallmanagement bei zielgerichteter Gewalt und Amok an Schulen wird bereits von einigen schulpsychologischen Diensten und Polizeistellen in der Praxis eingesetzt.
Weitere Informationen zum Thema Amok gibt’s bei psychosoziale-gesundheit.net
Quelle: Technische Universität Darmstadt

