Sinkende Zahl der Obduktionen hat verheerende Auswirkungen
Obduktionen sind kein angenehmes Thema und die Pathologie ist nicht gerade das strahlendste der medizinischen Fachgebiete. Aber erst die Pathologie lehrte den Menschen, wie Krankheiten entstehen, verlaufen und sich auswirken. Die Untersuchung post mortem ist nicht nur ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung in der Medizin, sondern auch ganz essentiell für den medizinischen Fortschritt.
Die Zahl der vorgenommenen Obduktionen in Deutschland sinkt dramatisch. Die Gründe: Kostendruck, Fehleinschätzungen seitens der Ärzte und Vorbehalte in der Bevölkerung. Jetzt warnen Experten vor den Folgen: Besonders in operativen Fächern wie Chirurgie und Gynäkologie erwarten sie, dass sich die Behandlungsstandards verschlechtern werden.
Inwzischen werden in Deutschland nur noch acht bis zehn Prozent der Verstorbenen obduziert. Das habe negative Auswirkungen auf den medizinischen Fortschritt, die Behandlungsqualität und - mit Blick auf unerkannte Tötungsdelikte - auch auf die Rechtssicherheit, warnen Rechtsmediziner, Pathologen und die Bundesärztekammer (BÄK).
In 40 bis 60 Prozent der Fälle ergibt die Obduktion eine andere als die im Totenschein ausgewiesene Todesursache. “Das heißt, dass sich im Mittel 50 Prozent der Ärzte irren - und zwar nicht, weil sie unfähig sind, sondern weil man einem Menschen eben nicht an der Nasenspitze ansehen kann, woran er gestorben ist”, sagt Prof. Markus Rothschild, Leiter der Rechtsmedizin an der Universität zu Köln. Gerade bei älteren Verstorbenen werde oft vorschnell Herzversagen auf dem Totenschein angegeben. Folglich rangiert Herz-Kreislauf-Versagen in der Todesstatistik zu weit oben.
Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung verliefen Obduktionen stets “sehr pietätvoll, ruhig und ganz unblutig”, betont
Rothschild.
Quelle und Bild: Ärztliche Praxis
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