Künstliches Hautmodell ersetzt Tierversuche

In Frankreich haben Wissenschaftler einen wichtigen Fortschritt bei der Forschung ohne Tierversuche gemeldet: Tests mit künstlicher Haut ermöglichen es, allergische Hautreaktionen auf chemische Wirkstoffe ganz ohne Einsatz von Labortieren zu erforschen, wie die Bio-Ingenieure vom Episkin-Zentrum des Kosmetikkonzerns L’Oréal in Lyon mitteilten. Die Testanordnung im Reagenzglas wurde bereits von der zuständigen EU-Behörde ECVAM als Alternativmethode für Tierversuche zugelassen. An der Nachbildung von menschlicher Haut hatte L’Oréal seit mehr als 20 Jahren geforscht.

Erstmals reichen Reagenzglas-Tests aus, um mögliche Haut-Irritationen durch Kosmetika-Rohstoffe und chemische Produkte bewerten zu könne. Bisher mussten diese Tests immer noch durch Tierversuche bestätigt werden. Schätzungen zufolge werden jährlich in Europa rund 20.000 Tiere, vor allem Kaninchen, eingesetzt, um die Giftigkeit chemischer Substanzen zu überprüfen. Von Bedeutung sind diese Tests für die Hersteller von Farben, Lösungsmitteln, Kosmetika und Pharmaprodukten.

Die Industrie müsse alle in einem Produkt eingesetzten Rohstoffe, und auch ihre Mischung prüfen, betonte L’Oréal-Sprecherin Patricia Pineau. Noch bleibe „viel zu tun“. So müsse auch getestet werden, welche Reaktionen das Verschlucken oder Einatmen einer Substanz auslöse. Dies sei „viel schwieriger“, sagte Pineau.

Die neue Methode wurde von der Biologin Estelle Tinois entwickelt. Für die Entwicklung ihres „Episkin-Kits“ nutzte sie Hautproben, die Frauen bei schönheitschirurgischen Eingriffen entnommen worden waren. Seit 2005 werden in China auch Versuche „auf asiatischer Haut“ ausgeführt.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

Technorati Tags:

Kommentar schreiben