Medizin aus dem Supermarkt: teuer und meist überflüssig
Zu viel Cholesterin im Körper lässt die Arterien verkalken (Arteriosklerose). Es drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Aber es gibt ja Rettung: einfach tüchtig von der Spezial-Margarine genascht oder einen Becher Wunder-Jogurt gelöffelt, und schon ist wieder alles in bester Ordnung. Kein Wunder, dass die Deutschen im Supermarkt gern zu den “gesunden” Fettsenkern greifen. Dabei ist vielen Verbrauchern gar nicht klar, was sie da zu sich nehmen, und wie es wirkt. Das kann gefährlich werden. Vor allem, weil viele der Konsumenten gar keinen überhöhten Cholesterinspiegel haben.
Das Bundesministerium für Risikobewertung (BfR) und die Verbraucherzentralen führten eine Umfrage zum Thema durch.
Von mehr als 1000 befragten Käufern konsumierte fast die Hälfte (45 Prozent) die cholesterinsenkenden Lebensmittel entweder zur Vorbeugung, um sich gesund zu ernähren oder weil die angereicherten Produkte lecker schmecken. “Dabei sind das keine Lebensmittel des alltäglichen Verbrauchs”, warnt die Studienleiterin Christa Bergmann im NetDoktor-Gespräch. Denn zur Vorbeugung taugten sie nichts; zudem sei Cholesterin “kein Gift”. In Maßen braucht es der Körper sogar, etwa für die Produktion von Sexualhormonen wie den Östrogenen.
Der unkritische Verzehr der Cholesterin-Killer ist aber noch aus einem weiteren Grund bedenklich: Die Pflanzensterine hemmen die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine, vor allem von Beta-Carotin, einer Vorstufe des Vitamin A. Die Folgen eines Mangels können Sehstörungen, Veränderungen an den Schleimhäuten oder Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen sein. Deshalb sollten Schwangere, Stillende und Kinder unter fünf Jahren überhaupt keine cholesterinsenkenden Lebensmittel essen. Alle anderen Konsumenten müssen verstärkt zu Obst und Gemüse greifen um den Vitaminschwund zu kompensieren.
Auch die empfohlene Tagesdosis von maximal zwei bis drei Gramm Pflanzensterinen beachten viel Verbraucher laut Studie nicht. Wer sich die Spezial-Margarine auf das angereicherte Sonnenblumenbrot schmiert und das Ganze mit der cholesterinsenkenden Diätmilch runterspült, nimmt unter Umständen viel mehr Pflanzensterine auf als empfohlen. Zudem kommen die Stoffe auch natürlicherweise in fetthaltigen, pflanzlichen Lebensmitteln vor, beispielsweise in Sonnenblumenkernen, Sesam oder Pflanzenölen. Um mehr als zehn Prozent lässt sich der Cholesterinspiegel aber auch dann nicht senken. Unklar ist bislang, was größere Mengen an Pflanzensterinen auf Dauer im Körper bewirken.
Möglicherweise passiere das gleiche wie bei Menschen, die an der extrem seltenen Erkrankung Phytosterolämie litten, so Bergmann. Aufgrund eines Gendefekts nimmt der Körper deutlich mehr Pflanzensterine aus der Nahrung auf - statt fünf bis zehn Prozent sind es bis zu 60 Prozent. Der Pflanzensterinspiegel im Blut ist dadurch um das 10- bis 100-Fache erhöht. Die Folge ist unter anderem Arteriosklerose. Ja, Sie haben richtig gelesen! Ein Zuviel an Pflanzensterinen lässt die Gefäße genauso verkalken wie Cholesterin, “aber ab welcher Menge es zu viel wird, weiß bislang keiner”, erklärt Birgit Niemann vom BfR gegenüber NetDoktor.
Als Reaktion auf die Umfrage fordern der BfR und die Verbraucherzentralen politische Konsequenzen. Cholesterinsenkende Lebensmittel müssten deutlicher als bisher mit Warnhinweisen gekennzeichnet werden. Den ganzen Artikel gibt’s bei Netdoktor
Quelle und Bild: Netdoktor
Technorati Tags: gesundheit


25. August 2007 um 04:48
Sehr geehrte Damen und Herren,
die im Artikel beschriebene Gefahr der verminderten Aufnahme fettlöslicher Vitamine durch pflanzliche Sterole kann ich noch nachvollziehen.
Die Behauptung, es käme zu einer Cholesterinunterversorgung des Organismus halte ich jedoch für fragwürdig, da dieser bei ungestörter Stoffwechselleistung selbst Cholesterin in ausreichender Menge produziert.
Da jede pflanzliche Ernährung zu einer vermehrten Zufuhr pflanzlicher Sterole führt, müsste demnach auch davon abgeraten werden.
Allerdings sähe ich eine cholesterinarme Ernährung bzw. phytosterolreiche Ernährung kombiniert mit HMG-CoA-Reduktase-hemmern in dieser Hinsicht ebenfalls als problematisch an.
Über eine Angabe belegender Studienergebnisse wäre ich dankbar.
MfG
R.Uken
5. June 2008 um 16:57
ich habe öfters diese Fettsenker in unserem lokalen Supermarkt gesehen, aber ich wusste nicht was ich davon halten sollte, denn es kam spanisch vor, Medizinartikel im Supermarkt zu kaufen. Ohne Rat von Apothekern oder einem Arzt
9. June 2008 um 20:42
Da bin ich ganz deiner Meinung, Medizinartikel imSupermarkt zu kaufen finde bei Medikamenten bei denen man die Wirkung nicht kennt etwas riskant.
18. June 2008 um 13:20
Gesundheit ist heutzutage ein immer wichtigeres Thema. Ich habe mich vor gar nicht allzu langer Zeit mit den Themen Geistiges Heilen sowie Heilerausbildungen Heilerausbildungen beschäftigt um Gesundheit weitgehend selbst in die Hand zu nehmen. Vor allem mehr in die Richtung Alternative Heilweisen.
Grüße
André
9. July 2008 um 23:31
Also ich bin da auch der Meinung, dass man hier vorsichtig sein sollte, aber andererseits würde ich es auch gut finden, wenn es in großen Supermärkten auch eine Art Apotheke geben würde, also gleich wie eine Wurst Theke oder ähnliches, einen eigenen Bereich mit Medizin und ausgebildeten Arbeitern, aber wahrscheinlich wäre das kein großer finanzieller Gewinn für die Ketten, sonst würde es sowas wahrscheinlich schon lange geben
13. August 2008 um 14:19
also ich würde mich nicht wohl fühlen bei dem gedanken meine medikamente im super markt zu kaufen und mich womöglich noch von einer nicht kompetenten verkäuferin zu beraten lassen….. da sind mir apotheken mit ausgebildeten pharmazeuten lieber
15. September 2008 um 20:16
Ich bin ganz Ihrer Meinng. Medikamente sollte man nur in Apotheken beziehen können, auch damit die Medizin nicht ein zu großer Teil der Werbelandschaft wird und sich keine Modemedikamente einbürgern.
19. August 2009 um 04:32
Sehe ich auch so, Medikamente haben nichts im Discounter verloren!
14. March 2010 um 22:32
Kann mich hier nur anschließen! Der Verkauf von Medikamenten bedarf Fachwissen und das findet man in dieser Beziehung nicht in einem Supermarkt. Man denke doch nur an die möglichen Nebenwirkungen. Hier möchte ich gerne meine Fragen auch kompetent beantwortet haben.
2. June 2010 um 09:52
In England und Amerika ist das schon völlig normal. Man muss unterscheinden zwischen verschreibungspflichtigen und andeen Medikamenten. Bin da nicht so ängstlich…
1. July 2010 um 00:05
Wenn ich an meine Erfahrungen in diversen Apotheken denke, dann muss ich einräumen, dass die Beratung dort eher schlecht ist. Auch hier nimmt sich doch keiner mehr die Zeit wirklich zu beraten. Schnell einpacken und weg ist meistens das Motto. Wenn Apotheken schon Bestandsschutz geniessen, dann sollte Beratung auch Pflicht sein. Das ist leider nicht imer der Fall.