Täglich 700 Kilo Antibiotika
Schon wieder beunruhigende Nachrichten von der Bakterienfront: Deutsche Patienten schlucken jeden Tag mehr als 700 Kilogramm Antibiotika. Viele davon werden nicht ordentlich zu Ende genommen oder gegen virale Infekte, gegen die sie wirkungslos sind, geschluckt, weil der Arzt fälschlicherweise auf Bakterien als Infektionsursache getippt hat.
Solche Fehler sind für die Biester eine willkommene Trainingsmöglichkeit. Denn auch hier gilt: Was sie nicht umbringt, macht sie härter und härter und härter… Die Folge: Krankmachende bakterielle Erreger werden immer unempfindlicher für Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008″, eine Veröffentlichung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Enterokokken ist danach eine deutliche Zunahme der Resistenzen zu verzeichnen.
Dieser Trend ist nach Darstellung der Studienautoren umso gefährlicher, als zugleich die Einführung neuer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger wirtschaftlich als andere Mittel.
Der Erhalt der Wirksamkeit der verfügbaren Mittel sei daher besonders wichtig und der Resistenzbildung müsse stärker entgegengesteuert werden, forderten die Fachleute und Mitverfasser bei der Vorstellung des ersten Antibiotika-Resistenzatlas «Germap 2008». Dazu gehörten eine bessere Hygiene in Krankenhäusern sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten, die nicht vorschnell Antibiotika verschreiben sollten.
«Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen», sagte der Vizepräsident der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Professor Eberhard Straube laut Pharmazeutischer Zeitung.
Auffälligster Befund sei der stetige Anstieg der Resistenz gegen Makrolide bei Pneumokokken gewesen, der inzwischen aber gestoppt sei. Weitere Resistenzbildungen gab es bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern zeigte sich seit den 90er-Jahren vor allem eine starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA).
Was da oben im Bild aussieht wie Spaghetti mit Erbsen, ist übrigens so ein fieser Staphylococcus Aureus. In seiner Petrischale kann man ihn beim Bakteriologieatlas bewundern. Dort gibt’s auch Fotos von seinen Kollegen Klebsiella pneumoniae, Salmonella enteritidis, und wie sie alle heißen.

