Grassierendes Syndrom: Ampelphobie
Von der immer weiter um sich greifenden Ampelphobie werden vor allem Führungspersonen der Lebensmittelindustrie befallen. Symptome: Hilfloses Gegenargumentieren und Panikattacken bei der Vorstellung, der Verbraucher könne die Wahrheit über den Inhalt seiner Nahrungsmittel erfahren.
“Die Lebensmittelbranche ist in Panik”, meldet foodwatch: Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern haben sich im September für eine verbindliche Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ausgesprochen. Nestlé und Co. wollen eine Ampelkennzeichnung um jeden Preis verhindern. Denn versteckte Dickmacher etwa in Kinderfrühstücks-Cerealien oder Wellness-Produkten sollen auch weiterhin für den Verbraucher nur schwer erkennbar sein.
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), die Lobbyvereinigung der Lebensmittelindustrie, plant deshalb jetzt eine groß angelegte Offensive gegen die Ampel. Nach einem internen Rundschreiben, das foodwatch vorliegt, will der BLL mit massiver Lobbyarbeit erreichen, dass die “oft anfänglich vorhandene Sympathie in Ablehnung dieser Art der Lebensmittelkennzeichnung” umschlägt. Hier eine Stellungnahme der Süßwarenindustrie, der die Ampel gar nicht schmecken will.
Lebensmittelkennzeichnung gehe nun einmal nur mit Zahlen, behauptete BLL-Geschäftsführer Matthias Horst in einer ZDF-Sendung. Dass dem nicht so ist, zeigt bereits das Beispiel Großbritannien. Natürlich geht es auch mit Farbe! Zumal es mit den Zahlen manchmal wirklich recht kompliziert ist. Sehen Sie selbst, wie nicht nur Verbraucher, sondern auch Cheflobbyist Professor Horst persönlich im Kampf mit den Zahlen scheitern. Das Video gibt es auf der foodwatch-Internetseite unter: http://www.foodwatch.de/kampagnen__themen/ampelkennzeichnung/video_zahlensalat/


3. February 2009 um 17:26
Ich finde, dieses neue System ist eine gute Sache. Es wurde ja eingeführt, damit der Verbraucher sich nicht von Produkten wie: ‘Käse light’ täuschen lässt. Denn diese Light Produkte müssen ihren Geschmack ja auch irgendwo her bekommen, sodass andere ungesunden Bestandteile den Produkten zugefügt wurden. Diese ‘Täuschung’ soll nicht mehr möglich sein. Dass sich große Firmen dagegen wehren, leuchtet ein. Denn was, wenn raus kommt, dass namenhafte Produkte ungesund sind und das rote Ampelzeichen tragen, weil sie wahnsinnig energiehaltig sind?
Einziger Haken: Wie reagiert der Verbaucher darauf? Isst er jetzt nur noch Produkte, die mit ‘grün’ ausgewiesen sind, weil alles andere zu fett ist? Ist das gesund? Eigentlich ist doch ein Mix, die gesunde Lösung, oder?
4. February 2009 um 10:17
Leider ist die Ampel ja noch nicht eingeführt und es ist fraglich, ob sie kommt.
Ich denke, die Verbraucher sind schlau genug, wenn man ihnen sachliche Informationen zukommen lässt. Es geht ja nicht darum, nie mehr fettiges oder süßes zu essen. Das Problem ist, dass Hersteller auf überzuckerte Frühstücksflocken ungestraft “light” oder “Fitness” schreiben dürfen und den Kunden damit suggerieren, etwas für die schlanke Linie zu tun. Es ist zudem wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die glauben, ein Lightprodukt zu essen, deutlich mehr davon konsumieren.
Mit der Ampelkennzeichnung könnte jeder auf den ersten Blick erkennen, dass in einer Packung, auf der riesengroß “Nur 2% Fett” steht aber viel zu viel Zucker drin ist (oder umgekehrt.)
Was mich als Kommunikationsmenschen immer wundert, ist, dass die Lebensmittelindustrie ihre Energie ausschließlich in die Verhinderung der Ampel steckt. Wann merkt der erste, dass es auch eine Möglichkeit wäre, seine Rezepturen so zu verändern, dass man mehr grüne Punkte auf seine Packung bekommt? Das könnte man auch bewerben und damit könnte man angeben. Warum lieber weiter schummeln als den Kunden gesündere Lebensmittel anzubieten? Verstehe ich nicht.
12. February 2010 um 21:51
Ich kann wie mein Vorredner auch die jahrelange “Verschleierung” der Inhalte nicht nachvollziehen. Ich denke wir sind auf dem besten Wege aber mit der “Ampel” noch lange nicht am Ziel.