Finanzkrise: Anlageberatung als Blutdrucksenker
Die Finanzkrise erfordert ganz neue Qualifikationen von den Ärzten. Das beschreibt Dr. Frauke Höllering, eine bloggende Hausärztin, in ihrem lesenswerten doc-blog.
Hoch engagiert, tut sie wirklich ALLES für den Blutdruck ihrer fast 80-jährigen Patientin, sogar eine kleine Anlageberatung gehört zum Service (Das zahlt die Kasse bestimmt nicht!). Ist ja fast schon rührend, zu lesen, dass die alte Dame von ihrer Hausärztin erfahren muss, dass “ihre Bank in erster Linie ein gewinnsuchender Konzern ist, der mit seinen Papieren und Provisionen Geld verdienen möchte” und wie enttäuscht sie über diese Information ist, schließlich habe ihr Bankberater versichert, die Bank sei ein “Dienstleistungsunternehmen und dem Wohl der Klienten verpflichtet.”
Hoffentlich schnellt der mühsam gesenkte Blutdruck nicht wieder in die Höhe, wenn die Dame erfährt, dass ihre Ärztin Geld dafür bekommt, dass sie sie behandelt…


27. October 2008 um 14:40
Tja, dass auch ich nicht nur für Gotteslohn arbeite, weiß die Dame durchaus
Meine Kritik lag woanders: Sie hat ihrem Berater nur darum blind vertraut, weil er “von der Bank” war und sie glaubte, er sei darum allein ihrem Wohl verpflichtet. Nun habe ich ihre Akten gesichtet: Nur ein Auszug: Im März dieses Jahres hat er ihr Vermögen zu 60% in Aktienfonds angelegt (sie ist 79!)…
Grüße, Dr. Höllering
28. October 2008 um 09:12
Hallo Frau Dr. Höllering,
danke für Ihren Kommentar.
Auch wenn wir hier vom Thema Medizin abschweifen - das ist wirklich traurig. Wie kann man einer betagten Dame so riskante Anlagen aufschwatzen? Dabei wäre es schön, Berater zu haben, denen man “blind” vertrauen könnte. Nicht nur bei der Bank, sondern auch in der Apotheke, bei der Bahn, im Kleidergeschäft,… Aber so ist die Welt nicht, leider…
Das ist sehr schade, denn wer enttäuscht wurde, der wird misstrauisch. Und wer erst mal misstrauisch ist, nimmt oft auch gute Ratschläge von wirklich wohlmeinenden Experten nicht mehr an. So werden ganze Branchen in “Sippenhaft” genommen, weil es viel zu aufwändig ist, jeden Einzelfall zu prüfen. Dann heißt es “Die Ärzte” und “Die Banker”.
Viele Grüße von einer treuen Leserin Ihres Blogs!
Dorothee Steeb
13. June 2009 um 13:38
Es ist eigentlich Schade, dass es vor allem die Älteren und Schwachen in der Finanzkrise so erwischt hat, da sie für die Anlageberater eine sehr leichte Beute darstellen. Und Provision hat nunmal kein Gewissen.