Theorie und Praxis…Nichtraucherschutzgesetz

Zigarettenstummel

Unter dem Titel: “Schwarze Schafe gibt es immer” gibt der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding der “Trokkenpresse”, einer Berliner Informationszeitschrift zum Thema Sucht ein sehr lesenswertes Interview zum Nichtraucherschutzgesetz und - angenehm selbstkritisch - zum Problem der Inkonsequenz. Trotzdem möchte er das ganze nicht als Misserfolg werten. Er sagt:

“Bisher wurde fast überall geraucht, und der Nichtraucher musste darum bitten, doch “hier” oder “solange gegessen wird” oder solange “die Kinder noch hier spielen” nicht zu rauchen. Der “Nichtraucher” war der Störenfried, der den Normal(?)fall in Frage stellt, der die Normalität stört, der Ungemütliche, der Kleinliche, der Intolerante.
Dies hängt auch damit zusammen, dass der Raucher ja keinem etwas Böses will. Er will nur in Ruhe sein Nikotin inhalieren. Aber indem er raucht, kontaminiert er als Einzelner den gesamten Raum - alle anderen leiden unter dem erhöhten Krankheitsrisiko. Das ist für den Raucher unvermeidbar #8211; und nun gebeten zu werden, das “Unvermeidbare”, nicht b-segemeinte zu unterlassen, erschwert den freundlichen Dialog doch erheblich. Dieser Dialog muss nun nicht mehr geführt werden, weil im Regelfall nicht geraucht wird, der Raucher geht kurz vor die Tür und der Konflikt in den Innenräumen ist entschärft.”

Tja…so weit die Theorie. Jetzt zu meiner praktischen Erfahrung (eventuell NRW-spezifisch):

1. Neulich habe ich mich mit einer Freundin abends verabredet. Sie raucht (aber nur noch bis Silvester, stimmt’s, Tina? :-)) - ich nicht. Wir waren beide schon längere Zeit nicht mehr in dem Lokal gewesen. Vorher sagte sie noch: “Au weia, da ist jetzt bestimmt Rauchverbot!” Aber nein, keine Sorge…als wir dort ankamen, prangte am Eingang ein Schild: “Ab 17.00 Uhr Raucherclub”.

2. Besuch im asiatischen Selbstbedienungsrestaurant. Bisher handelte es sich um ein Nichtraucherrestaurant - einfach so. Jahrzehntelang. Als wir neulich wieder einmal dorthin kamen (Meine Kinder liiiieben dieses Restaurant), lag unser Lieblingsplatz am Fenster plötzlich im “Raucherbereich”: Hä? Auf meine erstaunte Nachfrage erklärte mir die freundliche Servicekraft: “Ja, das ist wegen des Rauchverbots. Die Leute fragen uns jetzt immer, wo denn der Raucherbereich ist:” Der Raucherbereich ist vom Nichtraucherbereich durch eine Treppe getrennt…ja, richtig gelesen. Eine Treppe. Nichtraucher sitzen unten und atmen exakt die gleiche Luft wie die oben am Fenster sitzenden Raucher. Toll. Danke, Nichtraucherschutzgesetz!

3. Es gibt hier um die Ecke ein sehr schönes Nichtraucher-Café, schon lange vor dem offiziellen Verbot hatten sie erst einen rauchfreien Tag pro Woche zum Testen. Als sie an diesem Tag deutlich mehr Essen verkauften als an allen übrigen, haben sie komplett auf rauchfrei umgestellt. Sehr angenehm. Nach einem langen, lustigen Kneipenabend kommt man heim und duftet nach - NICHTS! Sensationell. Im Sommer konnte ich mich dort mit rauchenden und nichtrauchenden Freunden treffen. Jetzt, im Winter, schauen einen die Raucher mit einem mitleiderregenden Dackelblick an und seufzen: Können wir nicht lieber woanders hin? Es ist sooo kalt! Naja, und man will ja auch kein Unmensch sein…Raucher haben ja eh so anfällige Bronchien, wer möchte sie da noch der Kälte aussetzten? Also, ab in den nächsten Raucherclub - so eine Nichtraucherlunge hält das schon mal aus.

13 Antworten zu “Theorie und Praxis…Nichtraucherschutzgesetz”

  1. dental implants sydney sagt:

    Smoking is really very dangerous for heath. I think you said right that there should be some restriction on that.

  2. Isabell sagt:

    Also ich finde das Nichtrauchergesetz sehr gut - selbst Raucher aus meinem Freundeskreis begrüßen es. Nur im Winter ist es natürlich schon doof immer raus in die Kälte zu müßen.

  3. Webmaster Nago sagt:

    Also ich habe bisher keinen Raucher kennengelernt, der über die Kälte im Winter beschwert hat - Rauchen ist eben doch eine Sucht und wenn man einen Glimmstengel braucht, dann kanns wohl gar nicht zuviel kalt sein.

  4. Tom sagt:

    Ob Kälte oder Regen, wer rauchen muss, dem ist das egal. Grundsätzlich ist das Nichtrauchergesetz eine gute Sache, auch wenn viele es mit einem Raucher-Club umgehen.

  5. Klaus sagt:

    Fragwürdig finde ich jedoch den Umgang mit der Gesundheit der Gastronomie-Angestellten. Insbesondere die von dir erwähnten Raucher-Club’s scheinen ja für Angestellte die Problematik d. Passiv-Rauchens noch eher zu erhöhen…

  6. Richard sagt:

    Nichtrauchergesetze finde ich irgendwie unnötig, geraucht wird dann ja doch meistens, selbst wenn es verboten ist.

  7. affordable health plans sagt:

    I am glad that someone is finally doing something about this smoking thing. There is nothing worse than going out for drinks with friends, and having to sit through people puffing away.

  8. Dietl-Hillers sagt:

    eine sehr interessante Seite, die ich nur weiterempfehlen kann.

  9. Michael sagt:

    Ich find das Nichtraucherschutzgesetz einerseits gut andererseits aber auch störend. GANZ KLAR: In einem Restaurant find ich das überaus effektiv. Man kann sein Gericht in vollen zügen genießen. Aber in einem Club wird man meist in ein 5 mal 5 meter großen raum mit 100 anderen leuten gesteckt, wo man rauch darf. Komplett isoliert von Theken und Musik. Und das finde ich noch schlimmer als wenn man im ganzen Club raucht. Denn wenn man ehrlich ist, in einem großen Raum fällt das kaum auf das 300 von 1000 Leuten rauchen. Deshalb find ich das auch gut das es jetzt auch Raucherclubs gibt, in dem man mit ner Unterschrift bestätigt das es für einen Ok ist das es ein Raucherclub ist. Tolle Sache find ich!
    LG Michael

    PS: Ich bin NICHTRAUCHER!

  10. Katrin sagt:

    Ich empfinde es auch unerträglich. In einem Restaurant?? Das Nichtraucherschutzgesetzt hat mehr Nachteile für Nichtraucher gebracht, als man hätte denken können.
    Was viele Raucher auch nicht wissen, rauchen ist nicht nur schlecht für das herzkreislaufsystem, ja selbst das zahnfleisch leidet darunter und auch der Magnesiummangel ist häufig auf Rauchen zurückzuführen. Hab da nen ganz netten Artikel entdeckt: http://vitamine-nahrungsergänzungsmittel.de/magnesium-mangel-in-europa/

  11. dok sagt:

    Rauchen muss man in speziellen Plaetzen, damit die Nichtraucher nicht boese werden.

  12. iras sagt:

    Ich finde es gut, dass das “Nichtrauchergesetz” eingeführt wurde, dennoch hat es sich mittlerweile so entwickelt, dass es jeder anders interpretiert und zwar so wie es gerade recht ist. Habe ich etwas falsch verstanden oder ist das die Defintion von Gesetz?!?

  13. Dirk sagt:

    Hi, ich finde das Nichtraucherschutzgesetz völlig unnötig. Da Rauchen mittlerweile gesellschaftlich sowieso geächtet ist, reicht das auf die Dauer völlig aus. Probleme, wenn sie denn wirklich existieren, hätten sich durch die regulativen Prozesse auch von ganz allein erledigt. Natürlich gibt es immer ein paar Rücksichtslose, die gibt es bei Autofahrern aber auch und deshalb versucht trotzdem kein Mensch das Autofahren zu verbieten. Muss denn der Staat immer mehr in unserem Leben regeln? In 100 Jahren haben wir wahrscheinlich alle einen gesetzlich vorgeschriebenen Chip im Kopf, der automatisch Alarm gib, wenn wir als Fußgänger ohne Helm das Haus verlassen, weil Draußen Alles sooo gefährlich ist. Wahrscheinlich fällt dann auch automatisch eine Atemschutzmaske aus dem Helm, wenn jemand in den Bushaltestellen mit eigener Sauerstoffversorgung einen Streichholz aus der Tausche zieht, wegen der giftigen CO- und Phosphoroxid-Dämpfe, die beim Entzünden freiwerden -:)

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