Rosa Wundersalbe: WDR trennt sich von Redakteur

Psoriasis (Bild: iStockphoto)

Psoriasis

Erinnern Sie sich noch an Regividerm®? Das war die rosa Hautsalbe, die im letzten Jahr als angeblich wirksames Mittel gegen Schuppenflechte und Neurodermitis Schlagzeilen gemacht hat.
In einem Fernsehbeitrag der ARD mit dem Titel „Heilung unerwünscht.“ wurde die Salbe mit den Bestandteilen Vitamin B 12 und Avocadoöl vorgestellt.

Hauptthese des Films war, dass Pharmaunternehmen die Markteinführung des Mittels verhinderten, um Konkurrenz für ihre eigenen, teureren Medikamente auszuschalten. Trotz äußerst dürftiger Studienergebnisse machten sich Menschen, die unter den beiden Krankheiten leiden, Hoffnung auf Heilung. Film- und Buchautor Klaus Martens trat bei “hart aber fair” mit Frank Plasberg auf, wo er seine Vorwürfe noch einmal bekräftigte.

Neben inhaltlicher Kritik an dem Film wurden auch Zweifel an der Unabhängigkeit des Autors laut: Überraschend schnell nach der Ausstrahlung des Films kam Regividerm® in den Handel. Quasi gleichzeitig meldete der Dumont Buchverlag das Erscheinen des Buches zum Film von Klaus Martens „Heilung unerwünscht. Die dramatische Geschichte eines Medikaments“. Ein PR-Konzept wie aus dem Lehrbuch.

Jetzt hat die Geschichte ein spätes Nachspiel: In einer Pressemeldung des WDR heißt es:

Mit sofortiger Wirkung hat der WDR einen Redakteur und Autor aus dem Programmbereich Politik und Zeitgeschehen Fernsehen vom Dienst freigestellt und arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Der WDR sieht es nach eingehender Prüfung als erwiesen an, dass der Mitarbeiter als Autor des ARD-Features “Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern” gegen Programmgrundsätze verstoßen und falsche Angaben gegenüber dem WDR gemacht hat.

Gegen den Film wurde formelle Programmbeschwerde erhoben. Der Rundfunkrat des WDR hat die Vorwürfe geprüft.

Die Prüfung hat ergeben, dass der Mitarbeiter seine unmittelbaren Vorgesetzten, die Fernsehdirektorin und die Intendantin und damit mittelbar auch die Gremien wiederholt über den Zusammenhang von Sendedatum und Buchveröffentlichung getäuscht und in einer dienstlichen Erklärung falsche Angaben gemacht hat.

Schuppenflechte und Neurodermitis sind sehr belastende Krankheiten. Nach dem derzeitigen medizinischen Wissen sind sie nicht heilbar. Medikamente, die die Symptome dämpfen können, haben zum Teil drastische Nebenwirkungen. Eine einfache, nebenwirkungsfreie Heilmethode wäre eine Erlösung für die geplagten Patienten.

Wer es ganz genau wissen will, kann sich eine akribische Analyse des umstrittenen Films ansehen. Die Journalisten Nicole Heißmann und Volker Stollorz haben sich die Mühe gemacht, den ganzen Film Szene für Szene auseinander zu nehmen und Halbwahrheiten, Andeutungen und Weglassungen zu recherchieren. Erschienen ist ihre Ananlyse im WPK Quarterly, dem Magazin der Wissenschafts-Pressekonferenz e.V., einem Berufsverband von Wissenschaftsjournalisten.

Quelle: WDR/Bild: iStockphoto

4 Antworten zu “Rosa Wundersalbe: WDR trennt sich von Redakteur”

  1. Silke sagt:

    Ich habe damals die Sendung hart aber fair gesehen. Ein Gast im Studio sprach es auch aus: Das ist eine klug eingefädelte Marketing-Aktion. Natürlich kam der Mann mit seinem Argument in der dort herrschenden Stimmung nicht wirklich durch. Es ist aber interessant, dass das Geschmäckle, das ich damals hatte, sich nun so bestätigt. Bei der Sendung hart aber fair habe ich mittlerweile verstärkt das Gefühl, dass der ‘Fakten-Check’ leider nicht immer Fakten präsentiert, sondern Meinungsmache betreibt mit zunehmendem Spaß an Polemik. Ich nehme mir für so eine ‘Informationssendung’ keine Zeit mehr. Wirk denn das Mittel wenigstens ein bisschen? Wisst Ihr das? Ich habe das nämlich gar nicht mehr verfolgt.

  2. Dorothee sagt:

    Hallo Silke :-)

    Ich habe mich damals ein bisschen in Foren zum Thema Neurodermitis und Schuppenflechte ‘rumgetrieben, zum Beispiel beim Psoriasis-Netz http://www.psoriasis-netz.net/forum/showthread.php?t=23017 und daher weiß ich, dass sehr viele Menschen sich die Salbe in der Apotheke gekauft haben. Die Anwenderberichte (ist natürlich keine klinische Studie) sind recht verhalten. Einige mussten Regividerm wegen Juckreiz wieder absetzen andere empfanden sie als kühlend und lindernd. Von richtig großen Erfolgen war damals nichts zu lesen. Eine sehr gute, unabhängige Quelle für alles was Pharma angeht, ist das Arznei-Telegramm. Das hatte Regividerm, wenn ich mich recht erinnere, auch sehr skeptisch beurteilt.

    Was hart aber fair angeht, teile ich Deine Meinung! Obwohl die Regividerm-Sendung schon der Gipfel der Unausgewogenheit war.

  3. Silke sagt:

    Hallihallo Dorothee. :-)
    Danke für die Infos. Habe jetzt noch ein besseres Gefühl dabei, meiner Tochter den Test mit der Salbe erspart zu haben. Wir haben vor drei Monaten eine homöopathische Therapie begonnen, die sehr viele Auf und Abs gebracht hat, aber seit nun fast 4 Wochen ein Super-Hautbild. Das ist vielleicht kein Königsweg, aber ich wollte ihn auf jeden Fall einmal ausprobiert haben, bevor ich härtere Geschütze auffahre. Bei uns scheint es zu klappen. Ich vertraue in dieser Sache aber nur einem Arzt, der Schulmediziner ist und einen Abschluss in TCM in China gemacht hat, der also beide Richtungen vereint. Diese Erfahrung wollte ich Euch nicht vorenthalten.

    Anonsten lese ich mich jetzt wohl mal öfter durchs Arznei-Telegramm. ;-)

  4. Alexa Fleckenstein M.D. sagt:

    Psoriasis ist genetisch bedingt. Aber ob sie ausbricht, hat nicht nur miot der Erbmasse zu tun, sondern auch damit, wie man sich ernaehrt. Milch und Milchprodukte sollten weggeleassen werden, auch Alkohol. Ausserdem koennen es noch die verschiedenartigsten Allergene sein, die eine Psoriasis unterhalten. Ich habe zum Beispiel einen Fall gesehen, bei dem es Vanille und Zimt waren.

    Und regelmaessig ein bisschen Sonne und vielleicht sogar Salzwasser.

    Alexa Fleckenstein M.D., Aerztin, Autorin.

Kommentar schreiben