DIW spricht sich für Ampelkennzeichnung aus
Teures Übergewicht
Deutschland hat gemeinsam mit Großbritannien den europaweit höchsten Anteil an Übergewichtigen in der Bevölkerung. Übergewicht führt oftmals zu chronischen Folgekrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Gicht oder Typ-2-Diabetes. „Diese Krankheiten verursachen immense Folgekosten für Staat und Gesellschaft“, sagt Kornelia Hagen. „Der Staat hat also ein ureigenes Interesse daran, dass sich seine Bürger gesund ernähren.“
Die EU-Kommission will verbindliche Kennzeichnungen für den Nährwertgehalt von Lebensmitteln einführen. Bei der Ampel wird der Gehalt an Energie, Fett, Zucker und Salz mit Hilfe von Signalfarben gekennzeichnet. Dagegen läuft die Lebensmittelindustrie Sturm. Die Ampel sei zu simpel, entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage und führe Verbraucher in die Irre, warnen die Großkonzerne. Sie möchten die Verbraucher lieber selbst in die Irre führen bei ihrer GDA Kennzeichnung bleiben.
Entscheidung fällt Mitte Juni
Die Entscheidung im EU-Parlament wird voraussichtlich am 16. Juni 2010 fallen. Danach muss noch der Europäische Rat entscheiden, also die Regierungen der 27 Mitgliedsstaaten. Erst wenn sich beide einigen, gibt es europaweit eine neue, einheitliche Nährwertkennzeichnung. Denn ist eine EU-Verordnung beschlossen, muss diese 1:1 in den Nationalstaaten umgesetzt werden.
Für Kornelia Hagen ist die Ampel ganz klar die bessere Variante: „Der große Vorteil dieser Kennzeichnung ist, dass die Inhalte auf einen Blick zu erfassen sind. Das würde auch die Verbraucher erreichen, die sich nicht so bewusst ernähren.“ Und das sei wichtig, denn Untersuchungen hätten gezeigt: Gerade in bildungsfernen und sozial schwachen Schichten ist das Risiko von ungesunder Ernährung und Übergewicht besonders hoch.
Alles deutet daraufhin, dass die Ampel funktioniert
„Jede Information muss immer interpretiert werden“, sagt Kornelia Hagen und begegnet damit der gängigen Kritik an der Ampel: Produkte würden damit bewertet und als ungesund „abgestempelt“. „Natürlich ist es mit der Ampel allein nicht getan“, sagt Kornelia Hagen, „Der Staat muss auch auf anderen Wegen über gesunde Ernährung informieren, etwa durch entsprechenden Schulunterricht. Aber die Ampel ist ein gutes erstes Signal – und alle Ergebnisse der Verhaltensökonomie deuten darauf hin, dass sie besser funktionieren wird als andere Modelle.“
Wer’s ganz genau wissen will, kann den Bericht von Kornelia Hagen downloaden. Das DIW bietet auch ein Interview zum Download an.
Quelle: DIW, Bild: Foodwatch



20. June 2010 um 13:30
Die Ablehnung der Ampel ist sicher falsch. Interessanter noch ist aber die Tatsache, dass führende deutsche Politker und Vertreter der Industrie ihre Ablehnung fast wortgleich argumentieren: Wenn sich die Verbraucher nur an der Ampel orientieren, rote Produkte also meiden, werden sie auf Dauer an Nährstoffmangel leiden. Das ist natürlich nicht richtig, zeigt aber wie die Interessen verquickt sind. Zum Thema Ernährung gibt es auf meiner Seite viele Infos: http://www.frohmut.com
Diese finden sich unter dem blauen Buton Informationen.
Beste Grüße
Ralf Holtmann
27. June 2010 um 09:38
Hallo Herr Holtmann,
Sie haben eine sehr schön aufgemachte Seite mit wichtigen Informationen.
Die Diskussion mit der Ampel ist in der Tat ziemlich verzwickt, da wie so oft unterschiedliche Interessen aufeinander prallen. Es ist wichtig, dass dabei der Verbraucher nicht aus den Augen gelassen wird. Viele Menschen können mit den “nackten” Angaben auf den Packungen nichts anfangen und daher wäre zumindest eine Abwandlung der Ampel zweckmäßig. Vielleicht kann man das Kozept der Ampel noch etwas verfeinern, sodass es auch für die Industrie akzeptabel ist.
23. July 2010 um 18:27
Sicherlich haben beide Seiten gute und richtige Argumente was das Ampelsystem angeht. Fakt ist jedoch: So kann es nicht weiter gehen.
Durch das Einführen des Ampelsystems könnte vor allem Kindern schnell und einfach klargemacht werden, dass spezielle Lebensmittel und Süssigkeiten eben “dicker machen” als andere.
Auch Erwachsene die sich bisher nicht mit gesunder Ernährung beschäftigt haben, könnten den ein oder anderen Denkanstß bekommen. Wer sein Lebenlang zum Frühstück einen Müsli gegessen hat, der mit der Ampel schlecht abschneidet, würde vllt. in Zukunft zu einem anderen Produkt greifen oder sich zumindest etwas genauer mit dem Thema befassen.
24. July 2010 um 23:46
Wird wirklich Zeit, dass die Ampel eingeführt wird. Alle, die dagegen wettern, sind in meinen Augen Lobbyisten und ziemlich verantwortungslos. Übergewicht und Fehlernährung sind schließlich Volkskrankheiten.
26. July 2010 um 16:02
Eine Ablehnung der Ampel ist das Falsche Signal für die Gesundheit unserer Kinder. Sicherlich, darf diese Kennzeichnung nicht das Einzige Mittel sein und eine umfangreiche Aufklärung in der Schule ist wichtig, aber durch die Ampel können Lebensmittel schneller für ungeübte Augen als “schlecht” identifiziert werden.
24. December 2011 um 11:50
Ich denke auch dass die Ampel ein erster Schritt ist, aber eben nur ein Erster, denn das Ideal ist sie nicht.
Viel mehr sollte auf den Packungen eine deutlichere Angabe gemacht werden was wirklich drin ist….und das bitte in klarem Deutsch, so dass das auch ein jeder der nicht wissenschaftlich ausgebildet ist versteht.
Jede künstliche Zutat sollte als das betitelt werden was sie ist und nicht mit einem Namen der die Identität verschleiert.
Ich sage da nur “Papierschnipsel im Joghurt” usw…
8. February 2012 um 10:56
Ich kann Manu nur zustimmen. Ich glaube, viele verstehen gar nicht, was auf der Packung aöles steht. Apelsystem ja und weitere Angaben in einfachem Deutsch!
8. February 2012 um 19:13
“Die Ablehnung der Ampel ist sicher falsch. Interessanter noch ist aber die Tatsache, dass führende deutsche Politker und Vertreter der Industrie ihre Ablehnung fast wortgleich argumentieren: Wenn sich die Verbraucher nur an der Ampel orientieren, rote Produkte also meiden, werden sie auf Dauer an Nährstoffmangel leiden. ”
da kann ich dir wirklich nur voll zustimmen.
Die Diskussion mit der Ampel ist verzwickt, da wie so oft unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Es ist wichtig, dass dabei der Verbraucher nicht aus den Augen gelassen wird. Viele Menschen können mit den “nackten” Angaben auf den Packungen nichts anfangen und daher wäre zumindest eine Abwandlung der Ampel zweckmäßig. Vielleicht kann man das Kozept der Ampel noch etwas verfeinern, sodass es auch für die Industrie akzeptabel ist.