Multiple Sklerose ist eine Krankheit des Immunsystems
Neurologen vom Klinikum rechts der Isar der TU München haben zusammen mit Forschern aus 15 Ländern neue genetische Varianten identifiziert, die mit der Krankheit Multiple Sklerose (MS) assoziiert sind. Viele der Gene gehören zum Immunsystem, das somit entscheidend ist in der Entwicklung der Krankheit. Die Studie wurde heute in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht, die Studienleitung lag bei den Universitäten Cambridge und Oxford.
Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems bei jungen Erwachsenen – in Deutschland sind derzeit mehr als 120.000 Menschen betroffen. Bei der Erkrankung wird die schützende Hülle (Myelinschicht) geschädigt, mit der die Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark ummantelt sind, sodass Erregungssignale nicht mehr weitergeleitet werden. Ebenso werden die Nervenfasern selbst geschädigt. Je nachdem welche Bereiche des Nervensystems angegriffen werden, sind die Folgen unter anderen Gehbehinderungen, Taubheitsempfindungen oder Sehstörungen. Die heute veröffentlichten Ergebnisse zeigen die grundlegende Rolle des Immunsystems bei der Zerstörung der Nervenzellen und helfen zu verstehen, wie genau der Immunangriff auf Gehirn und Rückenmark aussieht.
Im Rahmen der Studie untersuchten die Wissenschaftler die Erbsubstanz von 9.772 Personen mit MS und von 17.376 gesunden Kontrollpersonen. Das internationale Forscherteam konnte 23 bereits bekannte genetische Assoziationen bestätigen sowie 29 weitere neue genetische Varianten identifizieren, die mit der Entstehung von Multipler Sklerose zusammenhängen. Viele dieser Gene spielen eine grundlegende Rolle bei der Arbeit des Immunsystems: Sie sind besonders für die Funktion bestimmter Immunzellen, den so genannten T-Zellen, und die Aktivierung bestimmter Botenstoffe, der Interleukine wichtig. T-Zellen sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen: Sie sind verantwortlich für die Vermittlung einer Immunantwort gegen körperfremde Substanzen, spielen aber auch bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle. So ist ein Drittel der neu identifizierten Gene an den Autoimmunerkrankungen Morbus Crohn oder Typ 1 Diabetes beteiligt. Dies könnte bedeuten, dass in verschiedenen Autoimmunerkrankungen die gleichen grundlegenden Mechanismen ablaufen, so die Forscher.
Darüber hinaus hatten frühere Studien einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten MS-Risiko nahegelegt. Neben den zahlreichen identifizierten Genen, die eine direkte Rolle im Immunsystem spielen, konnten die Forscher auch zwei Gene ausmachen, die in den Vitamin-D-Stoffwechsel involviert sind. Dies wäre eine mögliche Verbindung zwischen genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren der Multiplen Sklerose.
Prof. Bernhard Hemmer, der die Münchener Forschungsgruppe leitete, erklärt: „Nur die große Zahl an MS-Patienten – 1.000 haben wir allein in München untersucht und in die Studie eingebracht – hat es möglich gemacht, so detaillierte Einblicke in die Genetik der MS zu gewinnen. Durch die Ergebnisse dieser Studie erhalten wir wichtige Hinweise, welche Immunmechanismen und Moleküle für die Entstehung der MS von Relevanz sind. Dies ist somit auch ein wichtiger Schritt für die Entwicklung neuer Therapien, auch wenn es noch ein weiter Weg sein mag, bis wir MS vielleicht einmal heilen können.“
An der Studie beteiligten sich mehr als 250 Wissenschaftler in 23 Forschergruppen aus 15 Ländern, die im „International Multiple Sclerosis Genetics Consortium“ unter der Leitung von Prof. Alastair Compston, Universität Cambridge, und im „Wellcome Trust Case Control Consortium“ unter der Leitung von Prof. Peter Donnelly, Universität Oxford, zusammengeschlossen sind. Prof. Bernhard Hemmer ist Mitglied im Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), das die Studie im Rahmen seiner Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt hat. Weiterhin wurde die Studie durch den britischen „Wellcome Trust“ und der deutsche Anteil durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.
Quelle: TU München


27. September 2011 um 14:13
Schön dass in Zeiten von “Boulevard-Epedemien” auch noch Veröffentlichungen zu Forschungsergebnissen anderer ernsthafter Erkrankungen neben Fachzeitschriften Ihren Weg in die Medien finden.
Ist der Fachbeitrag als PDF-Dokument verfügbar?
7. October 2011 um 18:05
hallo ..
ms ist wirklich eine schlimme krankheit die viele gesichter hat, ich selbst kenne einige menschen die davon betroffen sind. ich wünschte es würde sich hier was in der forschung tun um den menschen hier ein besseres leben zu ermöglichen.
LG Stefan @ Hypnose Wetzlar
12. October 2011 um 22:29
Ich hatte früher oft mit MS Patienten zu tun und bin erfreut, wenn es in der Forschung weitere Fortschritte gibt. Es bleibt dennoch viel zu enträtseln.
Hoffentlich folgen weitere Studien.
Beste Grüße
16. November 2011 um 12:15
Super Artikel, ist sehr interessant. Ich kenne auch 2 Leute die an MS erkrankt sind. Ein Mann ist schon seit 20 Jahren mit dieser Krankheit geplagt. Er muss regelmäßig Chemo über sich ergehen lassen. Warum er ausgerechnet Chemo machen muss weis ich ehrlich gesagt nicht. Ich dachte Chemo macht man nur bei Krebserkrankung.
Ich hoffe das diese Krankheit irgendwann oder besser gesagt bald möglichst bekämpft werden kann.
Gruß
Ronja
8. December 2011 um 11:54
Sehr interessanter Artikel. Ich dachte bis jetzt immer das MS was mit Konchen zu tun hat.
Ich hoffe auch das die Forschung helfen dies Krankheit bald heilen zu können.
Grüße
5. January 2012 um 22:07
Ein Freund von mir ist auch an MS erkrankt und ich muss sagen, dass es wirklich eine der schlimmsten Krankheiten ist. Er war vorher so ein sportlicher Typ und wenn man ihn jetzt anschaut, erkennt man ihn kaum wieder.
13. January 2012 um 15:28
Fand den Artikel auch interessant. Habe leider auch eine Bekannte, die daran erkrankt ist. Wäre wirklich wünschenswert, wenn man MS bald besser behandeln könnte. Sollte mehr solcher Studien geben!
19. January 2012 um 14:48
Vielen Dank für diesen Artikel, über Krankheiten lernt man wirklich nie aus (auch wenn man irgendwann denkt, man hätte ausgelernt
)
Weiter so, ich lerne durch den Blog viel dazu!
20. January 2012 um 16:16
Hey, vielen Dank für den informativen Beitrag über Multiple Sklerose. ich dachte, dies hätte auch etwas mit Knochen zu tun.
30. January 2012 um 21:17
Ein sehr aufschlussreiche Info. Leider ist die MS-Forschung jedoch noch weit davon entfernt eine wirksame Therapie zu entwickeln.
1. February 2012 um 19:18
Hi,
Klar war mir der Begriff Multiple Sklerose bekannt, aber ich wusste nie genau was für eine Krankheit das ist. Danke für den Artikel, der dies auf eindrucksvolle Weise erklärt hat. Die Forschung läuft in diesem Bereich bestimmt oder besser gesagt hoffentlich auf hochtouren. Ich wünsche das allen betroffenen.
Viele Grüße Johannes
8. February 2012 um 15:06
MS ist vielfach auch mit Vitamin B12 Mangel verbunden.
Welche Folgen bei einer vier Monate lang nicht diagnostizierten und therapierten Vitamin-B12-Avitaminose anhand eines tatsächlichen Falls auftreten können, ist nachfolgend ersichtlich:
http://www.dietrichklug.de/VitaminB12Avitaminose.html
http://www.dietrichklug.de/Blutbild18112008.html
http://www.dietrichklug.de/Prozessbetrug.html
Gruss
9. February 2012 um 13:47
Interessant ist daran auch die Erkenntnis, dass es bei anderen (Auto-)Immunkrankheiten, hier Morbus Crohn und Typ 1 Diabetes, zu einem Drittel dieselben genetischen Besonderheiten gibt wie bei der MS.
Außerdem gab es ein weiteres interessantes, wenn auch für viele wohl wenig überraschendes Ergebnis: “Darüber hinaus hatten frühere Studien einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten MS-Risiko nahegelegt. Neben den zahlreichen identifizierten Genen, die eine direkte Rolle im Immunsystem spielen, konnten die Forscher auch zwei Gene ausmachen, die in den Vitamin-D-Stoffwechsel involviert sind. Dies wäre eine mögliche Verbindung zwischen genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren der Multiplen Sklerose.”
Was heißt das alles jetzt in Bezugs aufs Posten von (MS-)Nachrichten hier im Gateway? Dass eine Kommentierung des Geposteten durch den/die, der/die das postet, nicht unangebracht wäre.
9. February 2012 um 16:12
hallo,
ich habe gerade diesen text gefunden und dachte das er ganz interessant währe für euch.
Heute wurde die Arbeit des internationalen Forscherkonsortiums unter Federführung der Universitäten Cambridge und Oxford in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Es ist die bisher größte genetische Studie zu Multipler Sklerose.
Mehr als 250 Forscher in 23 Forschergruppen aus 15 Ländern – darunter auch eine Forschergruppe der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz – waren beteiligt.
Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems bei jungen Erwachsenen – alleine in Deutschland sind derzeit mehr als 120.000 Menschen betroffen. Bei der Erkrankung wird die schützende Hülle (Myelinschicht), mit der die Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark ummantelt sind, geschädigt, so dass Erregungssignale nicht mehr weitergeleitet werden.